Unsere Geschichte
Bad Dürkheim – Perle der Weinstraße
Bad Dürkheim liegt im Herzen der Deutschen Weinstraße, jener 85 Kilometer langen Route, die von Bockenheim im Norden bis Schweigen-Rechtenbach an der französischen Grenze führt. Sie wurde am 19. Oktober 1935 in Bad Dürkheim eröffnet, als erste Ferienstraße Deutschlands; am Tag darauf fuhr eine Kolonne von rund dreihundert Kraftfahrzeugen die Strecke ab. Das Reych trägt also nicht bloß den Namen einer Straße — es sitzt an ihrem Anfang. Die Stadt lebt seit Jahrhunderten von ihrem Salz: Die Quellen sind seit 1387 bezeugt, die erste Saline entstand 1594. Das Gradierwerk, mit 333 Metern eines der größten in Deutschland, wurde zwischen 1847 und 1850 errichtet; den Namenszusatz „Bad“ führt die Stadt seit Anfang des 20. Jahrhunderts.
Das Klima der Pfalz gehört zu den mildesten und sonnigsten Deutschlands. Die Lössböden und Sandsteinfelsen des Haardtgebirges schützen die Rheinebene vor Regen und Kälte – ideale Bedingungen für den Weinbau, der hier urkundlich seit 1258 betrieben wird. Rund ums Jahr prägen Weinreben, Mandelbaumblüte und weite Aussichten über die Rheinebene das Bild der Stadt.
Weltberühmt ist Bad Dürkheim für den Dürkheimer Wurstmarkt – das größte Weinfest der Welt. Seit über 600 Jahren treffen sich im September Weinliebhaber aus aller Welt auf dem Wurstmarktgelände, um die Weine der Pfalz zu genießen. Das Wahrzeichen der Stadt ist das legendäre Riesenfass, das heute als Restaurant dient und rund 1,7 Millionen Liter Wein fassen würde.
In diesem Umfeld des Genußes, der Kultur und der Weinfreude entstand im Frühjahr 1969 ein Ort ganz besonderer Art: die Letheburg, Heimstatt der Schlaraffia An der Weinstrasse.
Schlaraffia An der Weinstrasse – Gründung der Letheburg
Am 11. April 1969 wurde die Schlaraffia An der Weinstrasse gegründet – als Reych Nr. 368 im weltweiten Verband der Schlaraffia. Das Mutterreych war die Perla Palatina (Reych 163), die pfälzische Schlaraffia, aus der heraus die Gründer ihren Traum von einer eigenen Burg an der Weinstraße verwirklichten.
Den Namen Letheburg wählten die Gründer in Anlehnung an den mythologischen Fluss Lethe – jenen Strom des Vergessens in der griechischen Unterwelt, an dem die Seelen tranken, um ihren Alltag hinter sich zu lassen. Ein treffendes Bild: Wer die Letheburg betritt, lässt Beruf, Politik und Alltagssorgen an der Tür – und widmet sich ganz der Freude an Kunst, Freundschaft und Humor.
Die Burg liegt in der Kaiserslauterer Straße 4A, im Herzen von Bad Dürkheim. Hier versammeln sich die Sassen jeden Freitag während der Sippungsfolge – von Anfang Oktober bis Ende April – zu ihren abendlichen Zusammenkünften, den Sippungen.
Drei Schritte zum Reych — 1969 bis 1971
Ein Schlaraffenreych entsteht nicht mit einem Federstrich. Es wächst in Stufen, und jede Stufe ist im Reychsarchiv belegt.
Am Anfang stand ein Kreis von Sassen aus der Perla Palatina (163) und den Pfalzbruggen (237), die in Bad Dürkheim eine eigene Runde gründen wollten. Die Schlaraffen-Zeytung kündigte an, es werde „am 22. Windmond dort eine Colonie Allschlaraffias gegründet“ — der Windmond ist der November. Die Gründungsfeier fand im Großen Kursaal statt, dem ehemaligen Schloss der Leininger Grafen, und das junge Reych trat gleich mit einem eigenen Reychsballett auf. Eine Quelle nennt die Colonie ausdrücklich die fünfte Tochter der Perla Palatina.
Das Reych selbst führt den 11. April 1969 als seinen Gründungstag; die Stiftungsfeste rechnen von diesem Datum, das fünfzigste wurde im April 2019 gefeiert.
Dann folgte die Sanktion — die Anerkennung als vollwertiges Reych durch den Allschlaraffenrat. Am 23. Wonnemond 1970 zeigte der Rat die von der Perla Palatina beantragte Sanktionierung an; am 1. Christmond 1970 verfügte er die Ausfolgung der Sanktionsbullen — und zwar für zwei Colonien in einem Beschluss: „An der Weinstraße“ (368) und „Auf der Heide“ (369) in Lüneburg. Die beiden Reyche sind damit Geschwister im genauen Sinn des Wortes, sanktioniert mit derselben Verfügung.
Gefeiert wurde die Sanktion am 13. Lenzmond 1971 mit einer Festsippung in der Kongreßhalle. Die Zeytung berichtet mit sichtbarem Vergnügen: „Sie hatten ihr Fest am 13. Lenzmond gründlich vorbereitet … Dann ritten einige tatsächlich hoch zu Roß zur Sanktionsfeier.“
Stammbaum der Letheburg
Das Reych An der Weinstrasse steht in direkter schlaraffischer Erbfolge von der Urburg Praga bis in die Gegenwart – und hat selbst ein Tochterreych auf einem anderen Kontinent, Australien gegründet:
Die Reychsfarben und das Wappen

Was dieses Reych ausmacht
Über fünfzig Jahrungen sind viel Stoff. Vier Dinge stechen heraus.
Der eigene Orden. Am 7. Christmond a. U. 148, also im Dezember 2007, beschloss der Oberschlaraffenrat das Statut der 368. Weinstrassen-Legion. Es ist kein gewöhnlicher Einrittorden, sondern eine römische Legion mit Dienstgraden von Legionär bis Princeps, geführt von einem Ritter mit dem Titul „’s Cäsarche“, und mit einer Entfernungsregel, die es in dieser Form kein zweites Mal gibt: Sassen aus Reychen näher als zweimal dreihundertachtundsechzig römische Stadien — das sind 136,3 Kilometer — leisten sechs Einritte in einer Winterung, wer weiter weg wohnt, hat drei Winterungen Zeit. Der Aufnäher trägt eine Elwetritsche. Mehr dazu auf der eigenen Seite.
Das Fest am Fest. Bad Dürkheim ist die Stadt des größten Weinfestes der Welt, und das Reych hat daraus eine schlaraffische Einrichtung gemacht: die Wurstmarktsippung, in den frühen Jahren Wurstmarktkrystalline genannt. Die erste wurde eigens angekündigt, 1972 stand sie für den 14. Herbstmond im Kalender, und bis zur fünfundzwanzigsten Wurstmarktsippung beim 490. Wurstmarkt ist sie mitgewachsen. Mehr dazu auf der eigenen Seite.
Die Tochter am anderen Ende der Welt. 1997 meldete das Reych dem Allschlaraffenrat, das Feldlager Pertha Australika in Perth, Westaustralien, wolle eine Colonie gründen. Am 8. Erntemond a. U. 139 wurde sie erhoben — „mit 21 Rittern und fünf Pilgern“. Der Allschlaraffenrat fasste es in einen Satz, der in die Reychsgeschichte gehört: „Der fünfte Kontinent ist nicht mehr uhufinster.“ Angestoßen worden war die Sache auf dem Wurstmarkt. Mehr dazu auf der eigenen Seite.
Der Löwenmaler. Zur hundertzwanzigsten Wiederkehr seines Geburtstages wurde der Maler Otto Dill in einer festlichen Matinée in der Letheburg zum Ehrenschlaraffen „Dillerich der Löwenmaler“ erkürt — Dill war der sechste Ehrenbürger Bad Dürkheims. Profane Freunde stellten Originale zur Verfügung, um den Rahmen würdig zu machen. Ein Reych, das dem berühmtesten Künstler seiner Stadt einen schlaraffischen Namen gibt, hat verstanden, worum es geht.
Das Reych und die Stadt
Schlaraffia spielt hinter verschlossener Burgpforte — aber nicht hinter verschlossenen Stadttoren. In Bad Dürkheim ist das mehrfach belegt.
1987 wurde in der Letheburg eine große Versöhnungsfeyer ausgerichtet, die eine Fehde zwischen den Reychen Tarimundis und Wormatia beendete. Über vierhundert Gäste kamen, und die profane Presse titelte: „Glanzvolle Schlaraffen-Versöhnung — 400 Gäste celebrierten ein Fest nach alter Ritter-Manier.“
2001 veranstaltete das Reych am Vorabend des Valentinstages ein Wohltätigkeitskonzert in der Schlosskirche Bad Dürkheim, mit einer international bekannten Geigerin, und fand damit Beachtung bei Publikum und profanen Medien.
2015 zeigten sechs Schlaraffen und ein Gast im Oster- und Wonnemond ihre Kunstwerke im Foyer der Kreisverwaltung Bad Dürkheim.
Dazu kommen die Ausritte: nach Prag zur Praga-Gedenksippung am 2. Windmond a. U. 135, nach Wien zur Vindobona, zu der besonders gute Verbindungen bestehen, zur Berolina, nach Cambodunum und Imma Algoviae. Und der Verkehr in die andere Richtung — einmal besuchte eine Heerschar aller fünf Tiroler Reyche das Reych zu einer Krystalline, ein andermal kamen fünfzig Sassen der Vindobona.
Gemeinschaft und Tradition
Zur Winterung a. U. 167 zählte die Schlaraffia An der Weinstrasse 43 aktive Sassen und einen Prüfling. Die Gemeinschaft ist Teil des Sprengels 8 (Rheinland-Pfalz) und pflegt enge Beziehungen zu den benachbarten Reychen der Lethe-Reyche (53, 144, 305, 342, 368) sowie zur saarpfälzischen Reychsgemeinschaft.
Jede Sippung folgt dem jahrzehntealten Ritual des Schlaraffia-Bundes: Die Sassen treten in schlaraffischer Rüstung an, leisten künstlerische Beiträge – sogenannte Fechsungen aus den Bereichen Dichtung, Musik, Malerei, Vortrag und Humor – und führen das Turnierwesen fort, das zu den lebendigen Traditionen des Bundes gehört. Der fungierende Oberschlaraffe führt durch den Abend mit der Strenge des Rituals und der Leichtigkeit des Humors.
Besondere Höhepunkte der Sippungsfolge sind die Schlaraffiaden – festliche Sippungen, zu denen alle Sassen in voller Rüstung erscheinen – sowie die großen Feste wie die Ahalla-Feyer und der Ritterschlag, bei dem verdiente Junker in den Ritterstand erhoben werden. Einmal jährlich lädt die Letheburg zur Schönen-Anna-Sippung mit Burgfrauen ein, einem der gesellschaftlichen Höhepunkte des Jahres.
Die Reihe der Stiftungsfeste
Das Reychsarchiv belegt Stiftungsfeste für 1969, 1971, 1972, 1973, 1975, 1976, 1978, 1979, 1989, 1994, 1999, 2009 und 2019. Einige haben eigene Farbe:
- 1976 — ein Fest im Kursaal mit dem Turney um das Güldene Sesel
- 1979 — das zehnte Stiftungsfest mit über fünfzig Gästen aus der Vindobona
- 1989 — der zwanzigste Geburtstag mit Festspiel und Ehrenritterschlägen, begleitet vom Fanfarenzug der Monachia im Kurhaus
- 1994 — die fünfundzwanzigste Jahrung, gefeiert in der Salierhalle der Stadt
- 2019 — das fünfzigste Stiftungsfest am 12. April und 11. Mai
Und ein Fest eigener Art: die Schöne-Anna-Sippung mit Burgfrauen. 1976 kamen dazu über neunzig Gäste aus vierunddreißig Reychen; 1978 wurde die achte gefeiert, 2005 eine in der Letheburg mit dem Auftritt einer Konzertsängerin. Sie ist bis heute ein gesellschaftlicher Höhepunkt der Jahrung.
Sommerleben und Wurstmarktsippung
Auch wenn die Burg im Sommer offiziell ruht, lebt die Gemeinschaft weiter. Ausritte gen Landes-Aue und Freundschaftssippungen bei befreundeten Reychen halten das schlaraffische Leben in der warmen Jahreszeit lebendig. Traditioneller Höhepunkt des Sommers ist die Wurstmarktsippung – eine festliche Sippung mit Burgfrauen rund um das weltgrößte Weinfest, die stets besonderer Anmeldung bedarf und großen Zulauf findet.
Die Letheburg heute
Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Gründung steht die Letheburg für das, was Schlaraffia seit 1859 überall auf der Welt bedeutet: einen Ort, an dem Männer zusammenkommen, um gemeinsam zu lachen, zu staunen und zu erschaffen – fern von Alltag, Beruf und Streit. In arte voluptas.
Interessierte Herren sind als Pilger herzlich willkommen. Sprechen Sie uns an!
Kontakt: Kantzler368(at)an-der-weinstrasse(dot)de
Die geschichtlichen Angaben dieser Seite sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, überwiegend in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung. Wo eine Lesung unsicher ist, steht es im Text.
Geschichte der Schlaraffia
🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.
Die Wiege: Prag, 1859
Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.
Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.
Das Spiel breitet sich aus
Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.
New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.
Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte
Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.
Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.
Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss
Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.
Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.
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