Neun Tage im September wird Bad Dürkheim zur größten Weinstadt der Welt. Der Dürkheimer Wurstmarkt zieht Hunderttausende an, und die Schlaraffen des Reyches An der Weinstrasse haben aus dieser Ausnahmezeit eine eigene schlaraffische Einrichtung gemacht: die Wurstmarktsippung.
Krystalline und Sippung
Ein Wort zur Unterscheidung. Eine Sippung ist die reguläre Zusammenkunft eines Reyches, die während der Winterung wöchentlich stattfindet. Eine Krystalline ist eine Sippung außerhalb der Reihe — heiter, offener im Ablauf, häufig zu einem besonderen Anlass. Die Schlaraffen des Reyches 368 begannen mit einer Krystalline und sind später zur Sippung übergegangen; die Sache blieb dieselbe.
Die erste
Die Zeytung hat den Anfang aufbewahrt. Die Colonie „An der Weinstraße“ — damals noch nicht sanktioniertes Reych — lud, wie es dort heißt, „zur ersten Wurstmarkt-Krystalline“ ein. Für 1972 ist die Ankündigung datiert: die Wurstmarktkrystalline am 14. Herbstmond a. U. 113 in Bad Dürkheim. Der Herbstmond ist der September; die Sippung lag also mitten im Fest. Sechs Jahre später steht sie wieder im Kalender, diesmal gleich neben der Ankündigung des zehnten Stiftungsfestes.
Die fünfundzwanzigste
Gewachsen ist sie mit dem Reych. Die Zeytung berichtet von der 25. Wurstmarktsippung in der Letheburg, gefeiert anlässlich des 490. Wurstmarktes und ganz unter ein Motto gestellt. Heute ist die Wurstmarktsippung eine Sippung mit Burgfrauen, sie bedarf stets besonderer Anmeldung und findet großen Zulauf — eine der Veranstaltungen, bei denen die Burg aus allen Nähten geht.
Das Fest, in das sie hineinreitet
Der Wurstmarkt selbst ist älter als jede Schlaraffia. Seinen Ursprung führt die Stadt auf 1417 zurück, als Pilger zur Michaelskapelle auf dem Michelsberg zogen und die Winzer ihnen Wein und Wurst verkauften; urkundlich nachgewiesen ist der Markt seit 1442. 1577 wurde er von der Kapelle hinunter auf die Brühlwiesen verlegt, wo er noch heute stattfindet. Der Name „Wurstmarkt“ setzte sich im Laufe der Zeit durch und wurde 1832 behördlich verwendet. Gefeiert wird neun Tage lang, beginnend am Freitag vor dem zweiten Septembersonntag, in zwei Abschnitten mit einer Unterbrechung in der Wochenmitte.
Zum Fest gehört das Dürkheimer Riesenfass, das größte Weinfass der Welt. Gebaut 1934, würde es rund 1,7 Millionen Liter fassen; Wein war nie darin — es ist von Anfang an ein Gasthaus gewesen.
Die Pointe
Und dann hat dieses Fest der Schlaraffia noch etwas geschenkt, das mit Wein wenig und mit Weitblick viel zu tun hat. Die Gründung des Tochterreyches in Perth, Westaustralien, wurde nach dem Bericht des Reyches auf dem Dürkheimer Wurstmarkt angestoßen — nach einer Wurstmarktsippung. Ein Fest, auf dem ein Kontinent verabredet wird, hat seinen Namen verdient. Wie es weiterging.
Die Angaben zum Reych stammen aus dem elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv, überwiegend aus den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung; die Angaben zum Wurstmarkt aus den Veröffentlichungen der Stadt Bad Dürkheim. Wann genau die erste Wurstmarkt-Krystalline stattfand, ist im Archiv nicht mit Jahreszahl verzeichnet — die belegte Ankündigung von 1972 ist die früheste datierte Spur, nicht notwendig die erste überhaupt.