Kultur und Kleinkunst in Bad Dürkheim: was freitags in der Letheburg entsteht

Kultur bei der Schlaraffia in Bad Dürkheim ist selbst gemacht und findet im kleinen Kreis statt. Von Oktober bis April tragen die Sassen des Reyches An der Weinstrasse freitags in der Letheburg eigene Gedichte, Lieder, Musikstücke und Reden vor, meist zu einem Leitthema. Gäste hören zu und lachen mit, mehr wird von ihnen nicht verlangt.

Fünf Künste unter einem Gewölbe

Die Chronik des Reyches nennt die Zutaten eines Abends ohne Umschweife: Dichtung, Musik, Malerei, Vortrag und Humor. Fechsungen heißen diese Beiträge, und das Schöne an ihnen ist, dass sie niemand bestellt hat. Der eine bringt einen Reim mit, an dem er die ganze Woche gefeilt hat, der andere greift zum Instrument, ein dritter antwortet aus dem Stegreif auf eine Pointe, die ihm keine Ruhe lässt. Vorbereitetes und Spontanes wechseln sich ab, und genau dieses Hin und Her hält zweieinhalb Stunden lang wach.

Ein Maler bekommt seinen Ritternamen

Wie ernst man in der Letheburg die bildende Kunst nimmt, zeigt ein Vormittag, den die Chronik als festliche Matinée verzeichnet. Anlass war der 120. Geburtstag von Otto Dill, dem Maler, der als sechster Ehrenbürger der Stadt geführt wird. Das Reych erkor ihn zum Ehrenschlaraffen mit dem Namen „Dillerich der Löwenmaler“, und profane Freunde liehen Originale aus, damit die Ehrung den richtigen Rahmen bekam. Später stellten die eigenen Leute aus: 2015 zeigten sechs Schlaraffen und ein Gast im Foyer der Kreisverwaltung ihre Kunstwerke.

Gesungen, verlesen, getanzt

Musik und Wort haben in diesem Reych eine lange Linie. Schon zur Gründungsfeier im Großen Kursaal trat die junge Runde mit einem eigenen Reychsballett an, und bei einer Schöne-Anna-Sippung im Jahr 2005 sang eine Konzertsängerin. Heute füllt der Kalender die Lücken mit Einfällen: An einem Abend wird einfach gemeinsam gesungen, vom geübten Tenor bis zum tapferen Mitbrummer, an einem anderen reitet Lederstrumpf zum Todestag von James Fenimore Cooper in die Pfalz ein, und auch die Schokolade hat schon ihre eigene Sippung bekommen. Zum Ordensfest gegen Ende der Winterung verlesen die angehenden Ritter ihre Ritterarbeiten, also umfangreichere eigene Werke, etwa unter dem Thema „Das Kind im Manne“.

Zwischen Gradierwerk und Michelsberg

Bad Dürkheim trägt seine Kultur sichtbar im Stadtbild: das lange Gradierwerk aus der Zeit der Saline, die Michaelskapelle auf dem Michelsberg, auf deren Pilgerzug der Wurstmarkt zurückgeführt wird, und das einstige Schloss der Leininger Grafen, in dem der Große Kursaal liegt. Das Reych nimmt sich davon, was es für seine Reime braucht, am liebsten im September, wenn die Wurstmarktsippung mit den Burgfrauen bei voller Burg viel Musik und Gesang bringt. Was die Letheburg dem großen Fest entgegensetzt, ist das Gegenteil eines Festzelts: ein Tisch, an dem jeder einmal das Wort bekommt und alle anderen zuhören.

Ihr Platz als Zuhörer

Wer zum ersten Mal kommt, trägt nichts vor; Zuhören ist die Rolle des Gastes, und sie ist ausdrücklich erwünscht. Welches Leitthema die nächsten Freitage tragen, verrät der Sippungskalender der Letheburg, und was Neulinge vor dem ersten Besuch wissen möchten, steht in den häufigen Fragen. Eine allgemeine Einführung, wie Schlaraffen ihr Spiel verstehen, bietet schlaraffenfreunde.de.

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