Zwischen Bad Dürkheim und Perth liegen rund vierzehntausend Kilometer. In der Pfalz ist Abend, wenn in Westaustralien der nächste Tag längst begonnen hat. Genau dorthin hat das Reych An der Weinstrasse eine Tochter gesetzt — die Pertha Australika, Reych 416.
Wie eine Colonie entsteht
Schlaraffia wächst in einer festen Folge. Zuerst finden sich Sassen an einem Ort zu einem Feldlager zusammen. Dann melden sie über ein Mutterreych dem Allschlaraffenrat die Absicht, eine Colonie zu gründen. Ist die Colonie erhoben und hat sie sich bewährt, folgt die Sanktion — die Aufnahme als vollwertiges Reych mit eigener Nummer. Jede dieser Stufen braucht eine Mutter, die bürgt. Für Perth war das Bad Dürkheim.
1997 — die Meldung
Am 16. Windmond 1997 meldete das Reych An der Weinstrasse dem Allschlaraffenrat, dass das Feldlager Pertha Australika in der profanen Stadt Perth in Westaustralien die Gründung einer Colonie Allschlaraffias beabsichtige. Das Reych war zu diesem Zeitpunkt achtundzwanzig Jahrungen alt.
1998 — die Erhebung
Am 8. Erntemond a. U. 139 — dem 8. August 1998 — wurde die Colonie erhoben. Der Bericht nennt die Zahlen: „mit 21 Rittern und fünf Pilgern“. Die Coloniefeier in Perth wurde von der Weinstrasse ausgestaltet, und der Allschlaraffenrat sprach dabei den Satz, der seither zu diesem Reych gehört:
Der fünfte Kontinent ist nicht mehr uhufinster.
Das dreißigjährige Reych war damit Mutter geworden — und zwar über eine Entfernung, für die es in der schlaraffischen Praxis kaum Vorbilder gab. Das Reych hat es selbst als beides beschrieben: als schöne Aufgabe und als Verpflichtung, eine gute Mutter auf die weite Distanz zu sein.
2001 — der Ausritt zur Sanktion
Drei Jahre später wurde die Colonie sanktioniert. Zur Sanktionsfeier ritt ein stattliches Fähnlein der Weinstrasse in die Pertha Australika ein — viertausend Kilometer westlich von Sydney, wie die Chronik des Reyches zur Einordnung hinzufügt. Das Reych 416 ist damit das jüngste Glied eines Stammbaums, der in Prag beginnt.
Wo es angefangen hat
Und die Sache hat einen Anfang, der nirgends anders liegen könnte als in Bad Dürkheim: Die Mutterfreuden wurden, wie es die Chronik formuliert, auf dem weltbekannten Dürkheimer Wurstmarkt initiiert — nach einer Wurstmarktsippung.
Was daran bemerkenswert ist
Schlaraffia wirbt nicht. Sie hat keine Werbung, keine Mission, keine Filialen. Sie wächst ausschließlich dadurch, dass Einzelne sie mitnehmen, wohin sie gehen — und dass am Zielort jemand bereit ist, das Spiel aufzunehmen. Dass eine Runde in einem pfälzischen Kellergewölbe dafür sorgt, dass in Westaustralien freitagabends gesippt wird, ist deshalb keine Vereinsstatistik. Es ist der Beweis, dass die Sache trägt.
Die Angaben dieser Seite sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, überwiegend in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung, sowie in der Chronik des Reyches. Das Datum der Sanktionsfeier in Perth ist in den hier ausgewerteten Quellen nur als „drei Jahre später“ verzeichnet; eine Jahreszahl steht deshalb nicht im Text.